Interview: „Zielgerichtet“

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dreamstime_xxl_55308300Mit Sven Meiselbach, Geschäftsführer der Thalheimer Transformatorenwerke GmbH

Zum „1. Orientierungsabend Unternehmensnachfolge“ in der TUCed am 13.02.2016 begrüßten wir Sven Meiselbach, den Geschäftsführer der Thalheimer Transformatorenwerke GmbH. Vor einem Jahr übernahm er gut vorbereitet das Unternehmen im Erzgebirge. Im Nachfolgeinterview haben wir ihm einige Fragen gestellt.

Projekt:Nachfolge:Team: Wollten Sie schon immer Unternehmer werden?
Sven Meiselbach: Schon während des Studiums wusste ich, dass ich Unternehmer werden möchte. Ich habe Gründungsvorlesungen besucht, Businesspläne geschrieben und Kontakt zu BWLern geknüpft. Zu dieser Zeit habe ich bereits begonnen nach möglichen Unternehmen zu schauen. Natürlich war es dann bis heute ein langer Weg.

Was haben Sie bisher gearbeitet?
Meiselbach: Als gelernter Fluggerätebauer führte mich mein Weg Ende der neunziger, Anfang der 2000 Jahre zum Maschinenbaustudium. Im Anschluss an mein Studium arbeitete ich zuerst als Projektingenieur bei der EADS Airbus. Zusammen mit anderen Ingenieuren waren wir unter anderem für die Innenausstattung des Airbus A380 zuständig. Dann verschlug es mich als Projektleiter zur IMA Dresden (Materialforschung und Abwendungstechnik GmbH in Dresden – Anm. d Red.). Hier konnte ich als Projektleiter die Projekte von Anfang bis Ende begleiten und managen. Später, als Leiter Geschäftsfeldentwicklung, hatte ich hier die Möglichkeit im Vertrieb und im Marketing zu arbeiten und Erfahrung zu sammeln.

Sie haben sich verschiedene Firmen angeschaut und mit Übergebern gesprochen. Waren teilweise schon recht weit mit den Verhandlungen und dann kam der Deal doch nicht zustande. Wie sind Sie schließlich zu den Transformatorenwerken gekommen?
Meiselbach: Ich hatte imMeiselbach_Fragenmer die Einstellung, dass ich Unternehmer werden will. Ich war ein aktiv Suchender und so bin ich z.B. zur IHK Dresden gegangen und habe immer wieder nachgefragt. Wichtig war und ist es immer noch, die Ohren offen zu halten, denn man weiß nie, wo einem diese Themen oder Möglichkeiten begegnen. So erfuhr ich z.B. während eines Friseurtermins, dass ein Unternehmer abgeben möchte. Dann habe ich den Kontakt gesucht und mir das Unternehmen angeschaut.

Sehen Sie das doch einmal aus der Sicht des Unternehmers: Niemand übergibt die Firma, die man oft selbst gegründet und auch durch schwierige Zeiten gebracht hat, einfach an einen jungen Hochschulabsolventen ab. Es steht auch keiner mit einem „zu verkaufen“-Schild auf dem Marktplatz. Um das richtige Unternehmen zu finden, gibt es trotzdem viele Wege. Angebote der Hochschulen, Veranstaltungen wie den Orientierungsabend zum Aufbauen und Erweitern des eigenen Netzwerks. Auch Regionalmessen sollte man besuchen, um direkte Kontakte mit Geschäftsführer zu suchen. Ganz wichtig sind auch Steuerberater und Rechtsanwälte, da hier viele Informationen von möglichen Firmen auflaufen und hier „Übernehmer“ gesucht werden.

Wie viel Zeit haben Sie benötigt?
Meiselbach: Man darf so eine Unternehmensnachfolge nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bis ich an den Punkt gekommen bin, an dem ich heute stehe, hat das mit allen Umwegen und Zwischenstopps ungefähr zehn Jahre gedauert.

Haben Sie sich zusätzlich qualifiziert?
Meiselbach: Im Studium habe ich mich bereits intensiv mit dem Thema Gründung beschäftigt und Gründungsseminare und ähnliche Veranstaltungen neben meinem Studium besucht. Während meiner beruflichen Laufbahn habe ich die Ausbildungen zum Kaufmann und Vertriebsleiter als Bachelor professional of sales and distribution und beruflicher Trainer absolviert.
Als Unternehmer braucht man fachliches Wissen und vielseitiges Interesse. Ich denke, dass es wichtig ist, interdisziplinär unterwegs zu sein, sich mit neuen Medien auseinanderzusetzen und über den Tellerrand hinauszublicken. So war es für mich wesentlich, die eigenen Grenzen stets zu kennen und auch neu auszuloten.

Was waren Ihre ersten Schritte als neuer Chef?
Meiselbach: Als erster Schritt galt es, die Mitarbeiter kennen zu lernen. Wir kannten uns vor meiner Übernahme noch gar nicht. Auch wenn sich für sie nichts ändern würde, herrschte zunächst Unsicherheit im Team. Also hieß es für mich zuallererst, Sicherheit vermitteln und Vertrauen schaffen.
Ich habe mich an ein Corporate Design für die Firma und ihre Produkte gemacht und angeregt, ein moderneres Logo zu erstellen. Das ist nun auf jedem Gerät an der gleichen Stelle angebracht. Zu Beginn gefiel das nicht allen und der Zweck wurde hinterfragt. Doch mittlerweile steht es für die gemeinsame Arbeit, die wir leisten.
Zu Beginn kamen gleich erste Preisverhandlungen auf mich zu. Dann lernte ich unsere Kunden kennen und auch wo überall unsere Produkte eingesetzt werden. Die eigene Marktposition zu entwickeln und Vertrieb zu gestalten ist das Entscheidende. Das war auch mein Antrieb bei früheren Tätigkeiten.

Sie pendeln täglich zwischen Dresden, wo Sie wohnen und Thalheim. Ist das nicht anstrengend?
Meiselbach: Dank der Autobahn ist die Anreise zwischen 1 und 1,5 Stunden und diese Zeit habe ich vorher, als ich noch quer durch Dresden fahren musste, auch benötigt. Die Zeit, die ich unterwegs bin, ist also die gleiche geblieben. Und als Unternehmer ist man es gewohnt viel unterwegs zu sein.

Haben Sie es bereut das Unternehmen übernommen zu haben?
Meiselbach: Ein klares Nein, denn die Zusammenarbeit im Team ist hervorragend. „Wir ändern Spannung“ ist unser Slogan mit dem wir tolle Produkte weltweit verkaufen. Und es ist noch viel Potenzial nach oben vorhanden, was es zu nutzen gilt.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Offenheit!

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