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DSC_0231 - Titelbild

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Mit seiner Studie „Unternehmensnachfolge Sachsen“ bewies Juniorprofessor Dr. Alexander Lahmann erneut die Einzigartigkeit Sachsens. Denn Sachsen bildet zum bundesweiten Durchschnitt ein diametrales Bild, wenn es um Unternehmensnachfolge geht. In Sachsen werden 67% der Unternehmen auf eine externe Nachfolgereglung angewiesen sein. Auf bundesweiter Ebene ergab jedoch eine Studie der GfK Enigma GmbH, dass 64% der Unternehmen eine familieninterne Nachfolge anstreben.

Dieser neue Blick auf die NachfolgesituatioLahmann_bearbn in Sachsen eröffnete den Abend und das 1. „World Café Unternehmensnachfolge“. Die in der Studie aufgezeigten Erkenntnisse bergen eine große Brisanz. Wie gehen wir, wie gehen Unternehmer damit um? Veranstaltungen wie das „World Café“ sollen deshalb Unternehmer und Nachfolger moderiert ins Gespräch bringen. In diesem Rahmen sind ein gegenseitiges Kennenlernen und ein interessanter Austausch einfacher und schneller möglich. So haben Unternehmer ihre ganz eigenen Vorstellungen von einem Nachfolger ihres Unternehmens. Und ein Nachfolger, der noch nicht viel Erfahrung auf dem Gebiet der Unternehmensführung hat, und auf der Suche nach einem Unternehmen ist, hat viele Fragen.

ErfaZenk_bearbhrene Praxispartner sind in solchen Runden unabdingbar und ein großer Gewinn. Da die Veranstaltung in Kooperation mit dem Industrieverein Sachsen 1828 e.V. stattfand, begrüßten wir in der Businesslounge der TUCed GmbH einen erfolgreichen Übergeber und zwei erfolgreiche Nachfolger. Seine Erfahrungen als Übergeber teilte mit uns Wolfgang Neubert, ehemaliger Geschäftsführer der Anchor Lamina GmbH. Die anderen beiden Gesprächstische wurden co-moderiert von Ralf Hock (geschäftsführender Gesellschafter Industriepartner Coswig GmbH) und Jens Rößler (geschäftsführender Gesellschafter WIR electronic GmbH).

Mit Hilfe der drei Praxispartner standen neben den Studienergebnissen zwei große Fragestellungen im Mittelpunkt: die Voraussetzungen für eine Unternehmensnachfolge durch Führungskräfte und die Erwartungshaltungen der Übergeber an Unternehmensnachfolger.

Damit waren in der ersten Gesprächsrunde vor allem die anwesenden potenziellen Nachfolger gefordert. Gegenüber den Unternehmern äußerten sie ihre Wünsche und Vorstellungen. Über die eigene Motivation Geschäftsführer zu werden, wurde ebenso stark diskutiert, wie über die notwendigen Qualifikationen. Es war interessant zu hören, warum Hochschulabsolventen Unternehmer werden wollen. Was ihre Beweggründe für die Übernahme von Verantwortung für Mitarbeiter, ihre Familien und die Region sind. Wie stelle ich eigentlich sicher, dass die Kollegen im Unternehmen bleiben? Der Altinhaber könnte doch parallel im Unternehmen noch eine Weile mitlaufen – natürlich ohne Chefverantwortung, aber als Mentor und Moderator für Kunden und in der Entwicklung. Hier kam es zu teils klarem Widerspruch der Unternehmer und wirtschaftsnahen Unterstützer. Auch potenzielle familieninterne Nachfolgekandidaten waren anwesend. Sie beschäftigen ganz andere Erwartungen und Sorgen als einen externen Nachfolger. Will ich das wirklich? Kann ich mich dem auch entziehen? Wie gehe ich mit den Risiken um?

In der zweiten Runde kamen verstärkt die Unternehmer zur Wort. Wem würden sie ihr Unternehmen übergeben? Wie muss der Nachfolger auftreten? Hier war Fingerspitzengefühl der Moderatoren gefragt. Nicht immer passten die Zukunftswünsche der Nachfolgeinteressierten mit den Anforderungen der Übergeber zusammen. Danke an Jette Petzold und Dr. Mario Geißler für Ihre Unterstützung bei der Moderation!

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Die Auswertung der Vorstellungen von Nachfolgern aus dem Hochschulumfeld und Übergebern wird uns der Frage näherbringen, warum es teilweise so schwer ist, unternehmensexterne Unternehmensnachfolgen an Personen oder Teams anzukurbeln. Wunsch und Realität des Unternehmerseins liegen auseinander. Zweitens ist zu hinterfragen, ob die Vorstellung von agiler Unternehmensführung im Sinne von Leadership 4.0 bei gewachsenen Teams der ersten Gründergeneration in Sachsen so leicht umzusetzen ist. Projektmanagement im Hochschulkontext ist anders als im täglichen Konkurrenzkampf um Produkte, Märkte und Talente. Drittens treibt uns um, wie sich Vorstellungen und Wünsche von Nachfolgern und Übergebern angleichen können und wie wir für viele sächsische Unternehmen geeignete, externe Nachfolger finden. Ansätze werden sich auch finden lassen, welche und wie fehlende Fähigkeiten potenzieller Nachfolger entwickelt werden können.

Danke an alle Teilnehmer fürs Mitmachen! Neuigkeiten zur Auswertung und Denkanstöße wie immer auf diesem BLOG. Es grüßt herzlich das „Projekt:Nachfolge:Team“.

Comments 1

  1. Schöner Beitrag. Das ist echt interessant, dass es so grosse Unterschiede bei der Nachfolgeregelung gibt. Eigentlich sollte es noch mehr solcher Veranstaltungen mit Denkanstössen und Coaching zur Unternehmensnachfolge geben. Einfach, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu geben. Viele Unternehmer denken erst relativ spät über eine gute Strategie beim Firmenverkauf nach. Die sollte aber schon relativ früh entwickelt werden, um ein möglichst zufriedenstellendes Ergebnis beim Unternehmensverkauf zu erzielen. Deshalb: Mehr von solchen Veranstaltungen mit guten Tipps, wie man es angeht, die eigene Firma gut zu verkaufen!

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