Rückschau: Doppelspitze

2. Orientierungsabend

2. Orientierungsabend

Am längsten Tag des Jahres, dem 21.06.2017, fand an der TUCed der zweite „Orientierungsabend Unternehmensnachfolge“ statt. Getreu dem bundesweiten Aktionsmotto „Unternehmensnachfolge durch Frauen“ punkteten wir gleich mit doppelter Frauenpower. Dr. Kathrin Geisler und Dr. Katja Fichtner, die beiden Geschäftsführerinnen der Uphoff & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH, waren unserer Einladung gefolgt und berichteten von ihren Erfahrungen bis zur Übernahme der Kanzlei im Oktober 2010.
Großes Interesse die beiden Nachfolgerinnen kennenzulernen, brachten die zahlreichen Gäste mit. Einige von ihnen waren „Wiederholungstäter“, die wir bereits beim 1. Orientierungsabend im Februar begrüßen durften.

Dr. Kathrin Geisler und Dr. Katja Fichtner berichteten mit viel Begeisterung, dem richtigen Gespür von Ernsthaftigkeit und einer guten Portion Humor von ihrem nicht ganz einfachen Weg in die Unternehmensnachfolge. Beide Frauen lernten sich durch ihre Arbeit an der TU Chemnitz kennen, woraus sich die gemeinsame Idee der Übernahme entwickelte. Besonders bei Dr. Katja Fichtner war es schon immer eine Option Unternehmerin zu werden, da bereits ihre Mutter ein Unternehmen leitete.

Interessant wurde es, als die beiden Frauen ihren manchmal doch steinigen Weg präsentierten. Insgesamt drei Anläufe nahmen sie bis alles passte und sie sich mittlerweile glückliche Nachfolgerinnen nennen können.

Alles begann 2007 mit der Gründung eines Unternehmens zur Weiterbildung für Fachpersonal im Steuerbereich. Wohlgemerkt, die beiden waren damals noch behütet an der Uni angestellt. Für viel Geschmunzel im Publikum sorgte, als Sie selbst sagten, dass es ein totaler Flop war. Aber sie sammelten Erfahrung, konnten sich praktisch ausprobieren und merkten schnell, was sie alles falsch gemacht hatten. Vor allem das Agieren außerhalb des Unikosmos schien den Gründerinnen sehr wichtig zu sein. Denn nur ein Jahr später kauften sie ein kleines Buchführungsbüro. Sie waren damit am Markt tätig, lernten durch die eigene angestellte Mitarbeiterin etwas im Personalwesen und mussten auch die kleinen Tätigkeiten erledigen, die mittlerweile Angestellte übernehmen.

„Wir waren immer einfallsreich.“, sagte Dr. Katja Fichtner und fasst mit diesem simplen Satz doch gleichzeitig die gute Zusammenarbeit der Frauen zusammen.

Am spannendsten wurde jedoch der 3. Anlauf in den Jahren 2009/2010. In dieser Zeit erwarben sie die Uphoff & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbH. Durch die Darstellung ihrer Recherchen, Findungsprozesse und gemeinschaftlichen Überlegungen gaben sie den Zuhörern neue Einsichten in die Herangehensweise an eine Unternehmensnachfolge. Eine Kanzlei unterliegt anderen Regeln und Kriterien als ein klassisches Unternehmen. Zusätzlich handelte es sich bei der Übernahme um eine GmbH, bei der Vorteil und Nachteil ist, dass alle Verträge erhalten bleiben.

Mut wurde noch einmal allen Gästen gemacht, als es an die Aufgaben nach der Übernahme ging. Die neuen Geschäftsführerinnen hatten sich eine klare Prioritätenliste erstellt. So gestaltete sich die zunächst als am schwierigsten angesehene Aufgabe als die leichteste – die Mandanten blieben der Kanzlei treu.

Anders gestaltete es sich, die Mitarbeiter an die neue Situation zu gewöhnen. Waren sie vorher einem eher patriarchisch führenden Chef gegenübergestellt, änderte sich das nun. Es war eine herausfordernde Zeit für alle, da der ehemalige Chef im selben Haus wohnte und aufgrund der angebotenen Unterstützung in der Übergangszeit auch noch sehr präsent im Unternehmen war. Der Entschluss, in neue Räumlichkeiten umzuziehen, war denn auch eine der schwierigsten Hürden für die neuen Chefinnen und ihr Kollegium. Die Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen. Im Nachgang betrachtet haben sie es wohl alles richtig gemacht und keine der Mitarbeiterinnen hat das Steuerbüro verlassen. Klar, die beiden führen anders als der Vorgänger, aber die sich z.B. durch Digitalisierung verändernde Geschäftswelt (gerade auch im Steuerbereich) bedingt die Umstellung von Geschäftsprozessen. Und so kommen sie nach fast 7 Jahren Kanzleiinhaberei zu der Feststellung: „Wir sind aus unserer Sicht eigentlich gute Arbeitgeber.“ (Fichtner)

Ist es das, was sie erwarteten? stellten sie ans Ende ihrer kurzweiligen Vorstellung.
Ja, denn die Selbstbestimmtheit, Flexibilität und Unabhängigkeit, die sie sich wünschten, haben sie bekommen. Sie geben aber auch zu, dass es allein nicht möglich gewesen wäre. Die gemeinsame Arbeit hat vieles einfacher gestaltet. So haben beide Familie und Kinder und sind dadurch auch in der Lage Urlaub zu machen, denn der andere ist in dieser Zeit da.

Auch die erhofften Herausforderungen, immer etwas neu zu gestalten, haben sie in der Selbstständigkeit erhalten.

Interessant war auch der Aspekt, dass man nicht mit jedem diesen Weg als Partner gehen kann. Nicht jeder ist dafür gemacht. Denn nur weil man sich beispielsweise auf privater Ebene hervorragend versteht, muss dies nicht zwangsweise im Berufsalltag der Fall sein. Übereinstimmend meinten Dr. Kathrin Geisler und Dr. Katja Fichtner, dass man schon den gleichen Anspruch an Qualität und eine ähnliche Arbeitsweise vorweisen sollte, damit die Zusammenarbeit funktionieren kann.

Im Herbst wird es die nächste Fortsetzung dieser Reihe mit neuen spannenden Geschichten von erfolgreichen Nachfolgern geben.

Das „Projekt:Nachfolge:Team“ wünscht eine schöne Sommerpause und grüßt wie immer herzlich!

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