Unternehmensübergabe – Aber an wen?

21-06-29_Übergabe_an_wen-01

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Es wird jede Inhaberin und jeden Inhaber eines Unternehmens treffen. Wer sich stabil und sicher für die Zukunft aufstellen will, muss die Unternehmensnachfolge frühzeitig und mit Weitsicht auf die Tagesordnung setzen – auf die geschäftliche und die private Agenda. Wir stellen die drei verschiedenen Formen für eine Unternehmensnachfolge vor.

Denken in alle Richtungen muss erlaubt sein!

Für den zuverlässigen Wechsel an die neue Unternehmergeneration ist es für den Inhaber* wichtig, sich über die verschiedenen Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge bewusst zu werden. Denn das Ziel für die anschließenden Bemühungen ist doch eine langfristig erfolgreiche Unternehmensnachfolge zu erreichen.

Familie, Mitarbeiter, Externe Übernahme

In einer gewissen „Wohlfühlsituation“ befindet sich ein Übergeber bei familien- und firmeninternen Nachfolgen. Die beliebteste Nachfolgeregelung ist die familieninterne Übernahme. In diesem Fall übernimmt Sohn oder Tochter, oft sogar beide, oder sogar ein anderes Familienmitglied das Unternehmen. Das kann durch Kauf von Unternehmensanteilen oder als vorweggenommenes Erbe geschehen. Manchmal werden auch die Zahlung von Renten, Raten oder anderen wiederkehrenden Abfindungen nach der Übergabe an das Elternteil bzw. Familienmitglied vereinbart.

Steht für eine Übergabe kein Familienmitglied zur Verfügung, so ist auch eine firmeninterne Übergaberegelung möglich. Diese Option der Übergabe der Firma an einen oder mehrere Mitarbeiter sollte dringend bedacht werden. Hier lohnt ein Blick in das Handwerk. Zur Gründung eines Handwerksbetriebs ist sehr häufig eine bestimmte Meisterausbildung zur Eintragung in die Handwerksrolle nötig. Schauen Sie also genau! Überlegen Sie: wer sind Ihre Schlüsselmitarbeiter? Wer ist in der Lage und fähig, Ihre  Firma zu führen und unternehmerisch zu lenken? Wer übernimmt gern Verantwortung, forciert Projekte, agiert klug im Umgang mit wichtigen (schwierigen) Kunden?

Die Übernahme erfolgt in diesem Fall durch Verkauf der Firma an einen oder mehrere leitende Mitarbeiter, die oftmals aus Eigenmitteln den Kauf stemmen. Kauft das Management einer Firma den Großteil der Unternehmensanteile von den bisherigen Eigentümern spricht man von  Management-Buy-out (kurz: MBO). Kommen in kleineren Betrieben mehrere Mitarbeiter zum Zuge, nennt man das auch Employee-Buy-Out.

Familien- oder firmeninterne Übernahme haben den Vorteil, dass sich Inhaber, Mitarbeiter und Nachfolger kennen und im besten Fall vertrauen. Aus diesem Wissen heraus erscheint die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Unternehmen erfolgreich fortgeführt wird.
Diese Nähe birgt aber auch Gefahren. Z.B. wenn der Altunternehmer nach erfolgter Übergabe zu präsent im Unternehmen bleibt. Der Junior oder ehemalige Mitarbeiter muss zudem schnell und bestimmt seine neue Rolle finden und raus aus der „Sohn-„ oder „Kollegen“-Stellung.

210628_Grafik_Nachfolgeoptionen_KfW-Panel

Externe Übernahmen im Vormarsch

Komplex verhält es sich bei der dritten Form, der firmenexternen Unternehmensübergabe. Wenn weder ein Familienmitglied noch ein Mitarbeiter für die Übernahme zur Verfügung steht oder geeignet ist, muss der bisherige Inhaber nach einer externen Lösung für die Fortführung suchen. Die Firma wird als Ganzes oder in Teilen verkauft. Dieses „Einkaufen“ in eine Firma durch externe Kandidaten oder durch eine Holding bzw. Investorengruppe wird als Management-Buy-In (kurz MBI) bezeichnet.

Verfolgt man die öffentliche Diskussion und Erhebungen zum Thema, nimmt der Anteil der externen Übergaben zu. Die oben gezeigte Grafik des KfW-Mittelstandspanel (entnommen aus: NachfolgeMonitoring Mittelstand, Nr. 274, 9. Dezember 2019) verdeutlicht, dass gegenwärtig der externe Verkauf des Unternehmens stärker als bisher in Betracht gezogen wird (50% in 2019).

Beratung suchen

Unternehmer streben häufig gern eine Lösung an, bei der sie die Übergabe an eine „echte“ Person schaffen können. Dabei kann der Einstieg eines Firmenfremden für das Unternehmen eine große Bereicherung darstellen. Frisches Denken, neue Wege und Lösungsansätze sind durchaus wichtige Impulse in dieser Transformationsphase.

Eine gute Bündelung bundesweiter und regionaler Ansprechpartner für Unternehmensnachfolge findet man auf der Internetplattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nexxt-change. Hier können Nachfolgeinteressierte und übergabewillige Unternehmer Ihre Angebote inserieren.

Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten können Netzwerke, Berater von Kammern und Verbänden aber auch kleine Veranstaltungen wie z.B. Unternehmerabende oder Gründerstammtische helfen. Unsere BMWi-geförderte Nachfolge-Initiative NachfolgeWerk hat es sich zum Beispiel auf die Fahnen geschrieben, Nachfolger zu finden und mit Unternehmern zusammenzubringen. Dafür bieten wir vielfältige Veranstaltungen und Treffen an.

Sprechen Sie uns gern an oder lernen Sie uns ganz entspannt bei unseren konkreten Veranstaltungen kennen.

Mit herzlichen Grüßen

Manuela Zenk vom NachfolgeWerk

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BMWi_Fz_2017_Web_deDas Projekt „NachfolgeWerk“ der TUCed – An-Institut der TU Chemnitz für Transfer und Weiterbildung ist ein durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Projekt im Rahmen der Förderbekanntmachung „Initiative Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“. Diese Maßnahme wird gefördert durch das BMWi aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 *Das Thema „gendergerechte Schreibweise“ ist für unser BMWi-gefördertes Projekt NachfolgeWerk sehr wichtig. Aus Gründen einer verständlichen und guten Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form (generisches Maskulinum) stellvertretend und wertfrei. Es impliziert keine Benachteiligung anderer Geschlechter.

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