Rückblick – Erfolgreicher Auftakt!

210622_Alle Beteiligten

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Es waren viele Beteiligte, die online in 90 Minuten dran kommen wollten. Aber ein Mittags-Talk darf nicht langweilig sein!  Deshalb fragten wir nach bei Dr. Kerstin Klaus, Simone Friedrich, Jan Kammerl und Silke Loos, die uns Christina Lötzsch und ihren Vater Klaus Lötzsch mitbrachte.

Wie hoch ist der Nachfolgebedarf in Mittelsachsen? Die Unternehmensstruktur in Mittelsachsen ist sehr kleingliedrig. Ein Drittel aller Unternehmen beschäftigen nur bis zu 3 Mitarbeiter. Im Projekt Unternehmensnachfolge der TUCed – An-Institut für Transfer und Weiterbildung für die Fachkräfteallianz Mittelsachsen wurde 2021 eine umfangreiche Studie erstellt. Damit ist erstmals die Bewertung des Nachfolgebedarfs in Mittelsachsen auf Grundlage der Altersstruktur der aktuellen Geschäftsführung möglich! (Weitere Informationen hier) Dr. Kerstin Klaus erwähnte weiterhin, das für 48,2 Prozent der 807 recherchierten Unternehmen in den kommenden 5 Jahren eine Nachfolge ansteht.

Tut so eine nexxt-change weh? Darauf konnte Simone Friedrich nur lachend mit einem großen NEIN antworten. Live zeigte sie uns, wie man die Unternehmensbörse nexxt-change bedient. Wie sucht man sich Unternehmen aus? Wie gibt man etwas von seinem Unternehmen preis, ohne zu viel zu verraten? Oder kann man da auch Exposés beifügen oder andere Anhänge? Simone Friedrich antwortet auch auf die Frage: „Ich habe schon öfters in Nexxt-Change geschaut, hier sind aber doch eher vorwiegend Handwerksunternehmen zu finden. Es fehlen eher die industriell oder technologisch aufgestellten Betriebe. Läuft dort die Nachfolge anders?“. Ihre Erfahrungswerte spiegeln diese Recherche wieder. Der Nachfolgebedarf ist vor allem im Bau-, Dienstleistungs- und verarbeitendem Gewerbe am höchsten.

Mit Jan Kammerl tauschte sich Manuela Zenk, die das Programm als Moderatorin in den Fingern hielt, über das Erzgebirge aus. Inwieweit hat das Erzgebirge wirtschaftliche Relevanz für Sachsen? Laut dem Experten für Wirtschaftsservice / Fachkräfte sind vor allem Metall-, Elektro- und Maschinenbaubranche hauptbestimmend im Erzgebirge. Diese Sektoren beschäftigen ca. 2/3 aller Arbeitskräfte des Erzgebirges. Wird das Erzgebirge als Region unterschätzt? lautet die nächste Frage. Im Gegensatz zu den Städten, wo die Wohnkosten immer mehr steigen, gibt es im Erzgebirge noch billigen Baugrund und erschwingliche Mietpreise, weshalb die Region auch für die Jugend immer attraktiver wird. Themen wie Struktur- und Generationswandel werden das Erzgebirge weiter prägen. Die neue Generation der Arbeitskräfte besitzt oft einen akademischen Titel und hat einen eigenen Führungsstil, weshalb sich in absehbarer Zeit auch in diesem Bereich im Erzgebirge viel tun wird. Seiner Meinung nach ist das Erzgebirge auch kein klassisch ländlicher Raum und geht eher in die Richtung einer ‘progressiven Provinz’.

Nach dieser Einstufung des Erzgebirges als Wirtschaftsstandort ging es zurück zur Nachfolge im Handwerk. Denn wir hatten uns auch noch Silke Loos mit Christina und Klaus Lötzsch eingeladen. Was macht eine Firma im Erzgebirge zukunftsspannend für zwei unter 30-jährige? Christina und ihr Bruder Thomas Lötzsch führen das Unternehmen, das ihr Vater Kaus Lötzsch in den 70ern gründete, seit 2018.
Der ehemalige Geschäftsführer Klaus Lötzsch erklärte, dass er mit der Wende vor einer Existenzkrise stand, da es keine große Nachfrage für seine Produkte mehr gab. Er fasste den Entschluss, die Firma neu zu orientieren und fortan Natursteine als Steinmetz zu vertreiben. Silke Loos sagte, dass es im Handwerk häufig Familienunternehmen gebe. Mittlerweile gibt es jedoch auch eine immer größer werdende Zahl an Firmen, bei welchen die Nachfolge nicht innerhalb der Familie geregelt werden kann.

Wie schaffte es also der Altinhaber, seine beiden Juniors für die Firma u überzeugen? Dazu erklärte uns Christina Lötzsch, dass die Übernahme zuerst bei ihrem Bruder feststand, da er als Handwerker auch das fachliche Hintergrundwissen besaß. Bei inhaltliche Fragen wendet sie sich an ihn. Es gibt jedoch auch einige Themen, bei welchen ihr Bruder sich fragend an sie wendet, weshalb sie als Team sehr gut in der Firma funktionieren. Die Unternehmensnachfolge war auch dadurch erfolgreich, dass ihr Vater noch eine Weile länger in dem Betrieb blieb und beide Nachfolger ausführlich auf die Übernahme vorbereitet hat.
Klaus Lötzsch ergänzt, dass er seinen Kindern versucht hat, nie Druck wegen der Unternehmensnachfolge zu machen. Beide hätten von sich aus Interesse am Handwerk entwickelt. Außerdem hat er frühzeitig eine GbR gegründet und zeitnah seinem Sohn nach dem Meisterabschluss 50 % der Anteile überschrieben. Als seine Tochter dann ihr BWL-Studium beendete, bekam sie die anderen 50% übertragen. Seither sind beide vollwertige gleichberechtige Geschäftspartner.

Und wieder die Frage an Silke Loos, ob es eine Tendenz gibt, nach der junge Leute wieder verstärkt ins Erzgebirge zurückkehren. Die Fachfrau von der Handwerkskammer erklärt, dass sie dies vor allem an den Meisterqualifizierungen und steigenden Lehrlingszahlen spürt. Außerdem erfreut sich die Branche generell wieder steigender Beliebtheit, was auch an dem guten Lohnniveau liegen könnte.

Na, wenn das alles nichts ist! Es war ein bunter Mittags-Cocktail, der den knapp über 30 Teilnehmern  vermittelt wurde. Danke für Ihr aktives Mitmachen und das schöne Miteinander!

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BMWi_Fz_2017_Web_deDas Projekt „NachfolgeWerk“ der TUCed – An-Institut der TU Chemnitz für Transfer und Weiterbildung ist ein durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Projekt im Rahmen der Förderbekanntmachung „Initiative Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“. Diese Maßnahme wird gefördert durch das BMWi aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 *Das Thema „gendergerechte Schreibweise“ ist für unser BMWi-gefördertes Projekt NachfolgeWerk sehr wichtig. Aus Gründen einer verständlichen und guten Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form (generisches Maskulinum) stellvertretend und wertfrei. Es impliziert keine Benachteiligung anderer Geschlechter.

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