Eine Unternehmensnachfolge anzugehen heißt oft auch neue Themenfelder auf den Weg zu bringen. Eine Modernisierung der Geschäftsprozesse ist dabei oft der Ausgangspunkt. Die Erfahrungen junger Generationen können ein wichtiger Motor für diese Themen sein. Neues auszuprobieren, kostet Mut und Vertrauen. Sich gegenseitig dieses Vertrauen zu geben und gemeinsam mit der älteren Generation die Schritte in die Zukunft zu gehen, ist eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die sich lohnt, um ein verlässlicher Arbeitgeber in der Region zu sein. 

Wir haben mit Mario Heinrich, Geschäftsführer und Gesellschafter der in Burgstädt ansässigen Homatec Industrietechnik GmbH, gesprochen. Er hat selbst eine erfolgreiche Nachfolge angetreten. Wir haben mit ihm über seine Nachfolgeerfahrungen gesprochen und gehört, welche Empfehlungen er Nachfolgeinteressierten mit auf den Weg gibt.

NachfolgeWerk: Herr Heinrich, Sie haben zu Beginn des Jahres die Nachfolge der Homatec Industrietechnik GmbH angetreten und sind seitdem geschäftsführender Gesellschafter der Homatec in Burgstädt. Was war denn Ihr Ausgangspunkt? Wann und wie ist eigentlich in Ihnen der Wunsch zur Nachfolge gewachsen?

Mario Heinrich: Ja, das ist eine gute Frage. Ich bin schon mit dem Interesse zu Homatec gekommen, hier als Gesellschafter einzusteigen. Ich bin demzufolge kein Eigengewächs der Homatec, sondern bin von einem anderen Maschinenbauunternehmen gekommen. Ich hatte bereits während dieser Zeit immer die Intention zur Selbstständigkeit und habe dann Unternehmen gesucht. Über zufällige Begegnungen bin ich dann zu dem Kontakt der Homatec gekommen. So kam es dann zu Stande, dass ich hier angefangen habe und dann war es doch ein langer Weg.

NachfolgeWerk: Das entspricht tatsächlich auch unserer Erfahrung. Sehr häufig sind es schlussendlich eher zufällige Kontakte, die dann zum Unternehmen führen. Uns würde auch interessieren, wie Sie an das Thema herangegangen und wie Sie dann ganz konkret eben auch zur Homatec gekommen sind. Hatten Sie da eher ein systematisches Vorgehen oder haben Sie die Augen und Ohren nach günstigen Situationen offengehalten?

Mario Heinrich: Ich habe über Plattformen im Internet, wie zum Beispiel die nexxt-change der IHK, Unternehmen gesucht, die zum Verkauf standen und habe mich dann mit dem einen oder anderen Unternehmen ausgetauscht. Bezüglich zwei der Unternehmen hatte ich dann mit meiner Bank Kontakt aufgenommen. Über die Bank kam dann auch der Hinweis: “Mensch, Sie kommen doch aus der Region. Es gibt in der Region ein Unternehmen, das Kunde bei uns ist und momentan nach einer Nachfolgelösung sucht.” Dann ging alles relativ schnell.

NachfolgeWerk: Das war 2020. Sie sind mit der Absicht gekommen den Betrieb zu übernehmen. Jetzt ist es ja, wie Sie sagen, endlich geschafft. Drei Jahre sind doch eine gewisse Zeit. Wie sah der gemeinsame Prozess aus?

Mario Heinrich: Ja, ich habe während der Probezeit erstmal angefangen als Mitarbeiter im Vertrieb und der Technik. Anschließend bin ich als Geschäftsführer mit eingestiegen. An dieser Stelle gingen dann auch die Verhandlungen los. Zurückblickend bin ich doch recht blauäugig vorgegangen. Mit der heutigen Erfahrung würde ich das nächste Mal den Kaufpreis schon im Vorfeld definieren. Ich kam aus sicherem Arbeitsverhältnis und bin schließlich auf das Vertrauen hin gewechselt, dass wir eine Einigung finden. Erst nach meiner Kündigung bei meinem alten Arbeitgeber haben wir mit den Verhandlungen begonnen. Und dann ist man als Angestellter des Geschäfts, des Gesellschafters, nicht mehr in der besten Verhandlungsposition. In meinem Fall hat es dann ja zum Glück dennoch geklappt.

NachfolgeWerk: Gab es in der Zeit noch weitere Schwierigkeiten oder Herausforderungen, die Sie so vielleicht nicht erwartet hätten und mit denen Sie konfrontiert wurden?

Mario Heinrich: Man redet dann auf einmal über Summen, über die man sich als Angestellter noch nie Gedanken gemacht hat. Und das ganze Thema “Wie komme ich eigentlich an das Geld, was ich dann dafür brauche”, habe ich mir auch deutlich einfacher vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Hinzu kommt das Private. Ich habe ein Haus und eine Familie, die ich bei dem Thema gern außenvorlassen möchte und die abgesichert sein muss. Das wären die Themen, die ich so nur bedingt im Blick hatte. Eine wichtige Herausforderung bzw. Anforderung ist auch, die Mitarbeiter mitzunehmen und mit ihnen neue Wege zu diskutieren.

NachfolgeWerk: Wie gelingt es Ihnen, die Mitarbeiter mitzunehmen? Wie kann man das konkret erreichen?

Mario Heinrich: Struktur aufbauen und mit den Leuten reden. Natürlich gehört es auch dazu, ein Stück weit Angst zu nehmen, weil ein neuer Gesellschafter mit 37 Jahren noch nicht die Erfahrung hat wie ein Altgesellschafter, der das schon seit 35 Jahren macht. Es gehört auch dazu Beweggründe für Entscheidungen immer wieder zu kommunizieren und den Mitarbeitern zu erklären.

NachfolgeWerk: Ein Thema, das ja sicherlich auch eine Rolle gespielt hat, ist der Generationswechsel. Worauf muss man achten, damit dieser Übergang erfolgreich funktioniert?

Mario Heinrich: Ehrlichkeit und Kritikfähigkeit. Das ist wichtig. Und auch Fairness und Offenheit. Die Erfahrung des älteren Herren muss man berücksichtigen. Ich muss die gleichen Fehler aber andererseits nicht noch mal machen. Auf der anderen Seite muss natürlich der Ältere sagen: “Okay, lass es uns probieren, auch wenn ich nicht weiß, ob es richtig ist oder falsch oder wieso wir es überhaupt machen. Aber okay, komm probiere dich aus, wir versuchen es.” Also da gehört von beiden Seiten viel dazu. Der Austausch muss dabei auch intensiv stattfinden. Jeden Tag und über jedes Thema schlussendlich. Er muss genau wissen, wieso ich das so machen möchte. Das muss ich ihm natürlich erklären und meine Beweggründe mitteilen.

NachfolgeWerk: Wie würden Sie Ihren eigenen Übernahmeprozess zusammenfassend beschreiben?

Mario Heinrich: Ausdauernd, mit viel Geduld. Ich sage mal, drei Jahre kann man schwer in zwei Sätzen zusammenfassen. Aber es waren viele Verhandlungen. Es war viel Glaube dabei, dass alles so aufgeht, die Planungen, die wir dann aufgestellt haben. Es ist ein Prozess und es ist wahrscheinlich auch gut so, weil bei dieser Unternehmensgröße so viele Themen zu berücksichtigen waren und auch so viele Fallstricke zu überspringen sind.

NachfolgeWerk: Letzte Frage: Was ist Ihre Vision für Homatec in den kommenden Jahren?

Mario Heinrich: Schlussendlich möchte ich, dass Homatec ein sicherer, zuverlässiger und guter Arbeitgeber ist. Natürlich Wachstum und mehr Umsatz und Modernisierung. Das sind alles Themen, die wir machen müssen. Aber schlussendlich ist das große Ziel für die Menschen, die hier arbeiten, ein sicherer, guter und zuverlässiger Arbeitgeber zu sein. Ich denke, das ist in der heutigen Zeit eine große Herausforderung.

NachfolgeWerk: Herzlichen Dank für das Gespräch.